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Wardwick in Hurog 12 страница

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»Oreg weiß, was er tut, Rosem«, wiederholte Tisala zum zweiten oder dritten Mal geduldig.»Vertraut ihm.«

»Habe ich denn eine Wahl?«, sagte er schließlich. Verzweiflung schwang in seinem Ton mit.

»Nein«, erwiderte Duraugh.»Aber Hurogs zahlen ihre Schulden.«

»Der Hurogmeten hat sich selbst befreit«, erwiderte Rosem.

Duraugh zuckte die Achseln.»Mag sein, aber Ihr habt viel aufs Spiel gesetzt, um uns zu helfen - wir können nicht weniger als das tun.«

Ich fand, dass die Atmosphäre von Menogue nach Einbruch der Dunkelheit auch nicht gerade dazu beitrug, uns ruhiger zu fühlen. Wären wir mitten im Lager bei den Männern gewesen, dann hätten die vertrauten Geräusche und die Geschäftigkeit Rosem nicht so deutlich erkennen lassen, dass er sich an einem Ort befand, an dem es angeblich spukte. Kein guter Tallven hätte sich nach Einbruch der Dunkelheit noch in Menogue sehen lassen - es sie denn, er wartete darauf, dass ein paar wildäugige Nordmänner seinen Lehnsherrn retteten.

Es berührte uns alle. Duraugh hatte sich gegen einen Baum gelehnt, damit sich nichts von hinten anschleichen konnte. Tosten starrte in die Dunkelheit des Waldes, als erwarte er, dort jeden Augenblick etwas zu sehen. Tisala spielte mit dem Griff ihres Schwerts.

Ich schloss die Augen und setzte mich etwas bequemer auf dem taillenhohen Stein zurecht, den ich als Sitzgelegenheit gefunden hatte. Wenn irgendwer da draußen uns schaden wollte, würde uns die Tamerlain warnen, die sich für die anderen unsichtbar hinter mir zusammengerollt hatte.

Plötzlich kam aus dem Nichts Wind auf, stark genug, um die Espenschösslinge aneinanderschlagen zu lassen. Tosten zog sein Schwert halb und wandte sich dem Wind zu, aber als ich die Hand an seinen Ellbogen legte, steckte er die Klinge wieder ein.

»Es ist Oreg«, sagte ich. Wenn Rosem glaubte, der Wind sei magisch gewesen - nun, Drachenflügel sind ebenfalls etwas Magisches.

Der Wind erstarb plötzlich, und dann kam Oreg in seiner Menschengestalt unter den Bäumen hervor.»Ward, du musst mit mir kommen.«

Er hätte ein Dutzend unterschiedlicher Plätze meinen können, eine Wiese, zu der er Kellen gebracht hatte, oder vielleicht brauchte er meine Hilfe bei einem Zauber, aber mir stieg Galle in die Kehle, weil ich es sofort wusste. Er wollte, dass ich mit ins Asyl kam.

Nachdem Kellen so lange in seiner Zelle gewesen war, konnte er Fremden nicht mehr vertrauen. Er musste jemanden sehen, den er kannte.

Rosem hätte genügt - aber das hätte bedeutet, ihm Hurogs Geheimnis anzuvertrauen. Und ich war noch nicht bereit, der ganzen Welt zu verkünden, dass es immer noch Drachen gab.

Tisala hätte es tun können, aber ich musste mich meinen Ängsten stellen.

»Also gut«, sagte ich und hoffte, dass meine Stimme nicht zitterte.

»Wo geht Ihr hin?«, fragte Rosem, und heftiges Missrauen ließ seine Stimme eine halbe Oktave heller werden.

»Ich werde Oreg helfen«, erklärte ich und folgte ihm in den Wald.

Nachdem wir uns genügend weit entfernt hatten, um zu verbergen, was er tat, verwandelte sich Oreg in den Drachen. Im Dunkeln konnte ich nicht viel von ihm erkennen, aber selbst in meiner Angst empfand ich die vertraute Ehrfurcht darüber, dass ein so wunderschönes Geschöpf immer noch auf Erden wandelte.

»Steig auf«, flüsterte er wie das Rascheln der gelben und roten Blätter der Herbstbäume.

Ich hatte bisher nur zweimal auf einem Drachenrücken gesessen. Es schien eine sehr persönliche Sache zu sein, also bat ich nie darum und tat es nur, wenn er es mir anbot. Bei all dem Adrenalin, das von dem Wissen kam, wohin wir fliegen würden, und der generellen Aufregung eines Ritts befürchtete ich, mir könnte übel werden.

Ich legte die Hand auf Oregs kühle und überraschend weiche Nackenschuppen und kletterte auf seine Schulter, wobei ich vorsichtig der zarten Haut seiner Flügel auswich. Nachdem ich mich hinter seinem Hals, aber noch vor den Flügeln niedergelassen hatte, sprang Oreg in die Luft.

Ich war nie nachts geflogen, und die klaffende Dunkelheit drunten beunruhigte mich mehr, als es der Anblick der winzigen Gebäude und Flickwerkfelder getan hatte. Es war etwas Erschreckendes an der Dunkelheit, und ich war froh, als wir die Stadt erreichten.

Als Oreg mich zum ersten Mal mit auf einen Flug genommen hatte, hatte ich gefragt, ob uns niemand sehen könne. Er hatte geantwortet, niemand sehe einen Drachen, es sei denn, der Drache wolle gesehen werden. Die Wachen am Stadttor blickten nicht auf, als wir über sie hinwegflogen.

Estian leuchtete von tausend Fackeln, als wir näher kamen. Von oben gesehen schienen die verwirrenden Windungen der Hauptstraßen, die vom Palast aus spiralförmig ausgingen, ein Muster zu haben. Ich konnte erkennen, welche Straßen in früheren Zeiten abgesperrt oder neu gebaut worden waren, aber der ursprüngliche Entwurf der Stadt hatte seinen Mittelpunkt an einem Ort nicht weit vom derzeitigen Schloss, wo sich nun ein Marktplatz befand.

Ich konnte die niedrigen Steinmauern des Markts erkennen, auf denen am Tag Kinder hockten, um ihre Fleischpasteten oder Bratäpfel zu essen. Von oben wirkte das Muster der Mauern wie eine dreitürmige

Burg, und ich fragte mich, vor wie langer Zeit diese Burg zerstört worden war.

Oreg ging plötzlich in den Sturzflug und brachte uns direkt hinter das Asyl in einen kleinen Park, der zum Haus eines reichen Kaufmanns gehörte. Ich schlüpfte von seinem Rücken, und er nahm wieder Menschengestalt an.

»Ich muss uns hineintransportieren«, sagte er.

Ich nickte. Er trat hinter mich und legte mir die Hände auf die Schultern. Hurog-Magie, Drachenmagie durchflutete mich und blockierte meine Sinne für alles andere außer ihrer Gegenwart. Als ich wieder sehen konnte, befanden wir uns in einer Zelle im Asyl. Der Gestank dieses Orts bewirkte, dass sich mir die Nackenhaare sträubten, also konzentrierte ich mich auf andere Dinge.

Ein kalt leuchtendes kristallenes Magierlicht hing an der Decke, zu weit entfernt, als dass der Bewohner der Zelle es erreichen und zudecken konnte, um sich ein wenig Abgeschiedenheit zu verschaffen. Wachen konnten jederzeit durch den Schlitz in der Tür schauen und die gesamte kleine Zelle überblicken. Plötzlich fiel mir ein, dass das Labor auf die gleiche Weise beleuchtet gewesen war.

»Ward?«, sagte Kellen, der auf der Bank saß.

Ich wandte mich von der Tür ab und sank auf ein Knie. Oreg blieb, wie ich bemerkte, stehen.»Herr.«

Kellen stand auf und kam zu mir. Ich biss mir auf die Lippe, um meine Sorge nicht auszusprechen - ich hatte schon gesündere Männer als ihn verhungern sehen.

»Sie haben Euch also rausgeholt.«

Ich konnte nichts an seiner Stimme wahrnehmen, aber ich fragte mich, wie es sein würde, ein Jahrzehnt eingesperrt gewesen zu sein und dann freigelassen zu werden. Ein Mann, der so lange gefangen gewesen war, würde seine Angst sehr gut verbergen können, aber das bedeutete nicht, dass er keine empfand.

»Ja, Herr. Und wir sind hergekommen, um Euch zu befreien, wie wir es schon lange hätten tun sollen.«

Er winkte ab bei meiner Entschuldigung und begann, leise murmelnd auf und ab zu gehen. Jeder Augenblick erhöhte die Gefahr, dass wir die Aufmerksamkeit der Wache erregten, aber ich schwieg.

Schließlich wandte er sich Oreg zu und sagte:»Nach dem, was Rosem mir gesagt hat, müsst Ihr der Zauberer Oreg sein. Könnt Ihr dieses Brett zerstören?«Er deutete auf das Brett, das ihm als Bank, Bett und als Spielbrett gedient hatte»Ich möchte es nicht zurücklassen.«

Oreg nickte. Mit dem Messer schnitt er einen Splitter von dem Holz ab und nahm ihn in die Hand. Er schloss die Faust darum, dann wischte er sich den Staub von der Handfläche, während die Bank sich in dunkelgrauen Mulch auflöste.

Kellen starrte den Mulch an, als hätte das grob bearbeitete Brett ihm viel bedeutet. Er atmete schwer, und ich konnte sehen, wie der Pulsschlag an seinem Hals zuckte.»Ich bin bereit.«

»Ich kann Euch nicht auf dem gleichen Weg nach draußen bringen, wie wir hereingekommen sind«, sagte Oreg.»Menschen zu transportieren ist beinahe unmöglich, wenn die Person, die ich trage, mir nicht vertraut.«

»Was schlägst du also vor?«, fragte ich und stand auf, da Kellen nicht mehr auf mich achtete.

»Fliegen.«Oreg deutete auf die Steinmauer zwischen uns und der Außenwelt. Ich konnte spüren, wie er die Angst nutzte, mit denen die Gefangenen des Asyls die Mauern getränkt hatten. Oreg nahm das wortlose Sehnen eines jeden Gefangenen und verlieh ihm Gestalt, als die Mauer zu reißen begann und große Steine auf den Boden fielen.

Es war gut, dass sich Kellens Zelle im höchsten Stockwerk befand, dachte ich und schaute über den Rand zum Boden drunten, sonst hätte Oreg vielleicht das gesamte Gebäude zum Einsturz gebracht.

Am Ende war das Loch in der Wand mehr als groß genug für einen Drachen, obwohl Oreg dazu auch noch die Wand neben uns herausreißen musste. Die Nachbarzelle war entweder leer, oder ihr Bewohner war von herunterfallenden Steinen erschlagen worden. Ich schaute näher hin und stellte erleichtert fest, dass kein Stroh auf dem Boden lag.

Ich wandte mich wieder Kellen zu, aber er hatte sich in eine Ecke geduckt, so weit entfernt von der herausgebrochenen Außenwand, wie es ging. Ich sah Oreg an, aber er schüttelte den Kopf und machte eine Geste zu mir.

Mein alter Stallmeister hatte Pferde nie gerne länger als einen oder zwei Tage im Stall gelassen. Er erzählte mir einmal von einem Tier, das von dem Augenblick seiner Geburt bis zu den Tag, an dem seine Ausbildung beginnen sollte, im Stall gehalten worden war. Es hatte vier Männer gebraucht, es aus seiner Box zu zerren.

Der Steinschlag war laut gewesen; jemand würde bald kommen und nach Kellen sehen.

Wir hatten keine Zeit, ihn lange zu überreden. Ich erinnerte mich daran, wie beunruhigend ich die Dunkelheit unter Oregs Flügeln gefunden hatte, und schnitt mit dem Messer einen Streifen Stoff von meinem Hemdsaum.

»Ganz ruhig«, sagte ich und wickelte die behelfsmäßige Augenbinde um Kellens Kopf.»Es ist nur der Schock. Mein Drache und ich werden Euch in Sicherheit bringen, und alles wird gut.«

Oreg nahm aufs Stichwort seine Drachengestalt an. Ich hörte die Geräusche von Wachen im Flur, die zweifellos den Lärm der einstürzenden Mauern bemerkt hatten.

Wie bei Pferden beruhigte die Augenbinde auch Kellen. Er sagte nichts, als ich von dem Drachen sprach. Ich glaube, er konzentrierte sich zu sehr darauf, seine Rettung zu überleben, um sich noch wegen legendärer Geschöpfe Gedanken zu machen. Mit meiner Hilfe kletterte Kellen auf Oregs Rücken. Ich setzte mich hinter ihn, um ihn festzuhalten. Oreg schlurfte ungeschickt zum Rand des Raums und sprang.

Ich fürchtete schon, wir würden landen müssen, aber drei rasche Flügelschläge brachten uns in die Luft.

Als wir uns Menogue näherten, sagte ich:»Oreg, kannst du uns an eine Stelle bringen, wo Kellen sich ein wenig erholen kann, bevor wir uns mit den anderen treffen?«

Oreg bewegte zur Antwort die Flügel spitzen. Er brachte uns zur anderen Seite von Menogue und landete auf einer Lichtung, wo jemand vor langer Zeit einen kleinen Teich mit Steinen eingefasst hatte. Das Licht des Vollmonds beleuchtete unsere Umgebung.

Ich nahm Kellen die Augenbinde ab und rutschte von Oregs Schultern auf den Boden. Nach kurzem Zögern folgte Kellen ebenfalls. Als wir sicher abgestiegen waren, rollte Oreg sich zusammen und legte den großen Kopf auf den Boden. Er sah so harmlos aus, wie er konnte.

»Hurog hat also tatsächlich Drachen«, sagte Kellen. Er war starr vor Anspannung, aber er klammerte sich so fest er konnte an seine geistige Gesundheit -ich wusste, wie sich das anfühlte.

»Einen«, sagte ich.

»Wo ist Euer Magier?«

Ich deutete auf den Drachen.»Er ist kein Vollblutdrache. Er sagt, beide Gestalten seien ihm gleich angenehm.«

Kellen nickte langsam und zeigte auf den Teich.»Ist es sicher, sich darin zu waschen?«

»Ja«, erwiderte die Tamerlain von der anderen

Seite des Teichs her.»Willkommen in Menogue, Kellen Tallven.«

Kellen sah erst sie an, dann den Drachen, und fing an zu lachen.

»Ich bin kein Traum«, sagte sie, denn sie hatte die Spur von Hysterie in seiner Heiterkeit bemerkt.»Ich bin lange hier gewesen und habe den Königen von Tallven gedient. Die Welt hat sich verändert, seit du in Stein gebunden wurdest, Tallven, aber die meisten Menschen wissen das noch nicht. Drachen fliegen, die alten Götter regen sich, und Magier werden mächtiger, weil ein altes Unrecht wieder gutgemacht wurde.«

Kellens Miene war trotz seines vorherigen Lachens seltsam ausdruckslos.

»Geh weg, Tamerlain«, sagte ich und starrte Kellen besorgt an.»Wir werden später noch genug Zeit für diese Dinge haben.«Die Tamerlain warf mir einen amüsierten Blick zu und verschwand mit einem unnötig theatralischen leisen Knall.»Lasst uns den Gestank dieses Orts von uns abwaschen und etwas essen, bevor wir weiterdenken. Oreg?«

Der Drachenkopf hob sich, und Oreg sah mich freundlich an.

»Bitte sag den anderen, dass Kellen in Sicherheit ist, und bring seinen Diener her - nur ihn -, zusammen mit sauberer Kleidung. Lass uns ein wenig Zeit zum Waschen.«Wenn Kellen sich ebenso fühlte, wie ich mich gefühlt hatte, würde es eine Weile brauchen, bis er glaubte, sauber zu sein. Ich hatte mich diesmal nur ein paar Minuten in dem Gebäude aufgehalten, aber es war mir bereits, als klebe der Gestank des Asyls wieder an mir.

Oreg stand auf, gähnte und schüttelte sich, dann nahm er wieder Menschengestalt an.»Klingt nach einer guten Idee.«Er deutete eine kurze Verbeugung vor Kellen an, eine Geste des Respekts, zu der er sich nicht oft herabließ, und verschwand in den Bäumen.

Kellen schien nicht ins Wasser gehen zu wollen, er stand nur da und starrte mich an, als wüsste er nicht, was er tun sollte. Oder als traute er mir nicht. Ich nehme an, von meinem eigenen Bruder gefangen genommen zu werden, würde mich auch nicht gerade vertrauensselig machen.

»Rosem wird bald hier sein«, sagte ich.»Ihr könnt auf ihn warten, wenn Ihr wollt - aber ich werde es nicht tun.«Ich zog mich aus und watete in den Teich.

Es war nicht kalt, wie das Wasser in einem solchen Teich sein sollte, sondern lauwarm. Ich spürte allerdings keine stärkere Magie hier, also wurde es wohl von unterirdischen heißen Quellen gespeist. Im Dunkeln ließ sich schwer sagen, wie tief das Wasser sein würde, aber ich hätte mir keine Gedanken machen müssen, denn als sich der Boden schließlich weiter nach unten zog, tat er es sanft. Ich schwamm von Kellen weg und ließ ihn entscheiden, ob er mir folgen wollte oder nicht. Nach ein paar Minuten waren vom Ende des Teichs Geräusche zu hören, also nahm ich an, dass er es getan hatte.

Als ich nichts weiter hörte, schwamm ich zurück zu ihm.

Er stand taillentief im warmen Wasser und zitterte.

»Wisst Ihr«, sagte er und beobachtete seine zitternden Finger,»dass ich Aethervon ebenso hasste wie meinen Bruder, weil er mich ins Asyl gebracht hat? Wenn Aethervon Jakovens Magier nicht diese Vision geschenkt hätte, hätte mein Bruder mich einfach umgebracht.«

Er stand kurz davor zu zerbrechen, und vielleicht musste er einfach jemandem erzählen, was er empfand. Aber wenn er diesen Gefühlen jetzt nachgab, würde er sich vielleicht nicht wieder zusammennehmen können. Wartet, wollte ich ihn drängen, wartet ein wenig, bis die Zeit Euch zu etwas mehr als einem Jungen gemacht hat, der keine andere Vergangenheit hat als eine dunkle Zelle. Ich wünschte, ich hätte Beckrams Beredsamkeit, aber meine eigenen Worte mussten genügen.

»Ich bin selbst ebenfalls ziemlich gespalten, was Aethervon angeht«, sagte ich und ignorierte Kellens Aufregung.»Als ich das letzte Mal hier war, hat er ohne jede Entschuldigung oder Ankündigung den Körper meiner Schwester übernommen und sie benutzt, um Prophezeiungen abzugeben, die nicht einmal sonderlich hilfreich waren.«

»Wenn ich dir mehr verraten hätte, hättest du nicht getan, was du tun musstest«, sagte eine leise geschlechtslose Stimme.

Ich sah mich um und bemerkte die alte Frau, die zu Aethervons Leuten gehörte und nun auf einem

Stein saß - aber ich bezweifelte nicht, dass die Stimme selbst dem Gott gehörte.

»Warum hast du dann überhaupt etwas gesagt?«, fragte ich Aethervon.

»Weil meine Prophezeiung gesucht wurde.«Wie zuvor veränderte sich die Stimme von einem Augenblick zum anderen.»Ich habe geschworen, solange die Menschen mich hier aufsuchen, werde ich ihnen etwas über die Zukunft sagen.«

»Wer hat Prophezeiungen gesucht und dir damit die Gelegenheit gegeben, dich in meine Angelegenheiten einzumischen?«, fragte ich.

Der Mund der alten Frau lächelte, obwohl ihre Augen ausdruckslos blieben.»Einmischen? Nun gut, dieses Wort passt ebenso gut wie jedes andere.«Der Klang der Stimme eines jungen Mädchens aus dem Mund der alten Frau bewirkte, dass sich meine Nackenhaare sträubten.»Dein Drache machte sich Sorgen, du könntest nicht sein, was er glaubte. Er bat um meine Weisheit und hatte dann Probleme mit dem Preis, den ich verlangte. Ich habe dir die Möglichkeit gegeben, die Barrieren zu durchbrechen, die zwischen dir und deinem Magier bestanden.«

Ich war ein Shavig-Mann und diente keinen Göttern außer Siphern, dessen Gerechtigkeit das Nordland beherrschte. Obwohl Aethervon uns nun half, mochte ich ihn nicht.

Ich verzog verächtlich den Mund.»Du hast Oregs Wünsche benutzt, um ihn zu bestrafen. Er bat um Sicherheit, und du hast meine Schwester genommen, die zu schützen er geschworen hatte, und ihn gezwungen, den Schmerz seines Eidbruchs zu ertragen. Oreg hatte schon genug Schmerzen erlitten, du brauchtest ihm nicht noch mehr zu bereiten.«

»Es erinnerte ihn daran, wer er war - dein Sklave und nicht dein Herr.«

»Oreg gehört niemandem«, fauchte ich.»Und hätte auch nie jemandem gehören sollen.«

Die Stimme des Gottes war nun ein tiefes Grollen, so viel mächtiger als die Stimme der alten Frau je sein könnte. Er klang verärgert.»Oreg gehört dir ebenso, wie Hurog dir gehört. Wenn man ihn nicht daran erinnert hätte, hätte sich dein Wille vor ihm gebeugt, wie sich der Setzling vor einem uralten Wind beugt, und das Böse, das die Welt verzerrte, hätte vielleicht weiterbestanden.«

»Du spielst mit dem Leben von Menschen«, sagte ich und erinnerte mich an die Augen meiner Schwester, die ausdruckslos gewesen waren wie die der alten Frau, und an Oreg, der sich am Fuß der Steinmauer, auf der sie stand, gewunden hatte.»Du vergisst, wie zerbrechlich sie sind.«

Der Gott lachte, weich wie Disteldaunen in der Nacht, und antwortete mir mit dem üppigen Samt der geübten Stimme einer Hure.»Zerbrechlich beschreibt dich nicht sonderlich gut, Hüter des Drachen. Dreimal in Feuer geschmiedet bist du und gingst stärker daraus hervor - ebenso wie der, der König sein soll. Als der Junge, der er war, hatte er keine Gelegenheit, seinem Bruder zu trotzen. Aber mit der Kraft, von Jakovens Händen geschmiedet worden zu sein, wird er eine Schneise durch die Leichen seiner Feinde schneiden - oder zerbrechen wie eine Klinge, die zu sehr gehärtet wurde.«

Die Frau stand auf und verbeugte sich knapp, wie Stala mir beigebracht hatte, mich vor meinen Gegnern zu verbeugen. Dann drehte sie sich um und verschwand im Wald.

Ich fluchte und wandte mich Kellen zu.»Seht Ihr, was ich meinte? Siphern rette mich vor den Launen der Götter von Tallven!«

Kellen lächelte, und diesmal lag eine Spur echter Heiterkeit darin.»Ich fühle mich nicht stark«, sagte er.»Aber anders als du neige ich auch nicht dazu, mich mit Göttern zu streiten. Also werde ich mich fertig waschen und sehen, ob es mir morgen besser geht.«

Das ist es, dachte ich. Lass dir Zeit, dich neu zu erfinden. Und wenn das nicht funktioniert, versuche es wieder. Genau, wie ich es getan hatte.

Genau, wie ich es tat.

Entschlossen schob ich die kranke, gestaltlose Angst zurück, die mir aus der Zeit im Asyl erhalten geblieben war.

»Herr«, sagte ich,»ich wäre sehr dankbar, wenn Ihr meinen Drachen im Augenblick geheim halten würdet. Hurog wurde bereits einmal von einem Machtgierigen angegriffen, weil er hoffte, dort Drachenknochen zu finden - wer weiß, was solche Leute tun würden, wenn sie wussten, dass wir einen echten Drachen haben.«

Kellen zog die Brauen hoch, aber er nickte. Nachdem er sich so gut wie möglich abgeschrubbt hatte, legte er sich ins Wasser und begann zu schwimmen. Ich hielt ein wachsames Auge auf ihn, denn er war nicht in der Verfassung, viel zu tun, aber er hörte nach einer Länge wieder auf, als Rosem und Oreg mit Kleidung und Handtüchern auf die Lichtung kamen.

Ich trocknete mich rasch ab, zog mich an und ließ Kellen dann mit seinem Diener zurück. Es sah aus, als hätten sie viel zu erzählen. Menogue war nicht so groß, dass es ihnen schwerfallen würde, uns andere zu finden, wenn sie bereit waren.

Es war spät, aber nur wenige im Lager schliefen. Die Nachricht davon, was wir versuchten, hatte sich unter unseren Männern verbreitet und zu vielen Diskussionen, wenn auch nicht zu Widerspruch geführt. König Jakoven war unter uns nicht sehr beliebt, seit Erdrick von seiner Hand gestorben war. Meine eigene Gefangennahme hatte diese Gefühle offenbar noch gefestigt.

Als ich auf das Hauptfeuer zukam, an dem Duraugh Hof hielt, brachte Tisala mir einen Becher Tee. Sie ließ den Blick über mich wandern, als wolle sie sich überzeugen, dass ich noch heil war, dann zog sie sich ohne ein Wort ans Feuer zurück.

Kellen und Rosem folgten mir kurz darauf. Sauber und in frischer Kleidung sah Kellen besser aus, aber mein Onkel sorgte dafür, dass er sofort eine Holzplatte mit Reisebrot und Käse bekam, als er sich hinsetzte.

»Ihr glaubt also, Hurog sei der beste Ort, um mich zu beherbergen?«, fragte Kellen. Rosem hatte offenbar keine Zeit verschwendet, nachdem ich die beiden verlassen hatte.

Mein Onkel nickte.»Selbst wenn Jakoven weiß, dass wir es waren, die Euch herausgeholt haben, wird er erwarten, dass wir Euch nach Iftahar bringen, zu meinem eigenen Besitz, oder zu einem der oransteinischen Adligen, die Euren Bruder unterstützen.«

»Ich habe dafür gesorgt, dass Alizon weiß, wohin wir Euch bringen«, sagte Rosem.»Er wird wahrscheinlich noch vor uns dort sein.«

Kellen runzelte die Stirn, als er Rosem anstarrte.»Ja, vielleicht werde ich tatsächlich nach Hurog gehen, Rosem. Es klingt so, als wäre das im Augenblick das Beste. Aber wenn ich gehe, dann nicht, weil man mich dorthin bringt.«Der verängstigte Gefangene, der zitternd im Wasser gestanden hatte, hatte sich in einen Mann verwandelt, der als Angehöriger des Königshauses aufgewachsen war.

Geschmiedet und gehärtet, dachte ich erfreut.

»Es gib Probleme in Hurog«, sagte Tosten.»Ihr solltet wissen, dass die Burg noch nicht vollständig wieder aufgebaut wurde. Wenn der König entdeckt, wo Ihr seid, werden die Mauern ihn nicht fernhalten können.«

Oder zumindest die Tore werden es nicht, dachte ich und erinnerte mich daran, wie wenig Zeit es Jakovens Männer gekostet hatte, sie zu öffnen.

Plötzlich lächelte Kellen.»Ich muss zugeben, ein

Grund, wieso ich nach Hurog gehen möchte, besteht darin, dass ich es gerne einmal sehen würde.«Er wandte sich mir zu.»Rosem hat mich über die Dinge informiert, und ich habe viel darüber gehört, was geschah, als Ihr die Burg über den Vorsag einstürzen ließet.«

»Es könnte möglich sein«, sagte Duraugh bedächtig,»dass wir viele der Adligen von Shavig hinter Eure Standarte bringen können, während Ihr Euch in Hurog aufhaltet. Wenn der Hurogmeten Euch folgt, dann werden auch sie es tun.«

»Ihr geht also davon aus, dass ich den Thron haben will?«, fragte Kellen mit einer Spur von Bitterkeit.

Alle erstarrten - selbst Tisala, die sich aus dem Gespräch herausgehalten und nur Tee getrunken hatte, verharrte mit der Tasse am Mund.

»Nein«, erwiderte ich scharf, als es aussah, als wolle sonst niemand etwas sagen.»Wir nehmen an, dass Ihr tun werdet, wozu Ihr geboren wurdet: Euer Volk zu schützen, nachdem Jakoven bei dieser Aufgabe versagte. Aber wenn Eure Zeit im Asyl Euch zum Herrschen untauglich gemacht hat, wäre es mir lieber, wenn Ihr Euch jetzt gleich zurückzieht, als dort weiterzumachen, wo Euer Bruder angefangen hat.«

Oreg starrte in die Nacht und lächelte ins Nichts.

Rosem hatte die Hand am Schwert und wäre zwischen uns getreten, hätte Kellen ihm nicht eine Hand auf die Schulter gelegt. «Frieden, alter Freund. Er hat recht.«Er nickte mir respektvoll zu.»Wenn man in einer Zelle eingeschlossen ist«, sagte er,»ist es viel zu einfach zu vergessen, wofür man gekämpft hat. Ich möchte allerdings, dass alle hier begreifen, was uns bevorsteht. Statt Ungerechtigkeit wird es Krieg geben. Bürgerkrieg. Bruder wird gegen Bruder kämpfen.«Er machte eine elegante Geste, die uns bat, ihn in die letzte Aussage mit einzubeziehen.»Verbindungen, die uns bisher zusammenhielten, könnten für immer zerstört werden, und dann liegen die Fünf Königreiche gebrochen vor dem Schwert ihrer Feinde. Und nach dem, was Alizons Briefe und Botschaften mir sagten, werden wir vielleicht nicht siegen. Ihr solltet Eurer Sache sehr sicher sein, bevor wir etwas beginnen, was nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Ihr solltet ganz sicher sein, dass Jakovens Sünden tatsächlich den Preis wert sind, den Ihr bezahlen werdet.«

Ich zuckte die Achseln, und bevor mein Onkel sprechen konnte, sagte ich:»Jakoven hat Hurog den Krieg erklärt, und wir müssen kämpfen. Wenn Eure Fahne uns voranflattert, haben wir Hoffnung zu gewinnen; ansonsten werden wir versagen. Ich möchte lieber für meinen rechtmäßigen König kämpfen als ums Überleben. Aber Lord Duraugh, Tosten, Beckram, meiner Schwester, mir selbst und allen, in deren Adern das Blut von Hurog fließ, bleibt keine andere Wahl.«Ich setzte dazu an, ihnen zu sagen warum, aber Oreg kam mir zuvor. Das war gut so, denn meine langsame Art zu reden machte meine Zuhörer ruhelos.

»Der Preis dafür, nichts zu tun, könnte noch höher sein. Jakoven hat vor, eine Katastrophe über uns zu bringen, die ebenso schlimm oder schlimmer ist als jene, die das erste Kaiserreich vernichtete.«In Oregs Stimme schwangen die Geheimnisse von Zeitaltern mit. Wenn er wollte, konnte er den Mantel seiner Jahre um sich ziehen, bis das Gewicht der Zeit auf seine Zuhörer einschlug wie ein Hammer.»Er hat versucht, die Geheimnisse der kaiserlichen Magier zu lüften, und er wagt sich an Dinge, von denen er nichts versteht. Farsons Fluch hat die Zivilisation auf diesem Kontinent schon einmal zerstört, sodass die Menschen ihre Städte verließen und ins Ödland flüchteten. Neuneinhalb Jahrhunderte lag der Fluch verborgen, aber Jakoven hat ihn gefunden. Wenn er lange genug lebt, um seine Geheimnisse zu erschließen, werden wir uns wünschen, die Vorsag hätten uns erobert und alle als Sklaven verkauft.«

Na wunderbar, dachte ich und sah die Gesichter an, auf die das Feuerlicht fiel. Als brauchten sie etwas, wovor sie sich noch mehr fürchten können.

»Er weiß noch nicht, wie er den Fluch nutzen soll«, sagte ich.»Aber er ist überzeugt, dass die Antwort im Blut von Hurog liegt. Ihr seht also, dass es nicht der Gedanke ist, dass Ihr der rechtmäßige König seid, der Hurog auf Eure Seite bringt. Nichts ist so gefährlich wie Ehre oder der Glaube an eine Sache. Hurogs kämpfen um ihr Überleben - was uns zu Euren zuverlässigsten Anhängern macht.«

Kellen lächelte mich an.»Euer Schwert wird meine Feinde ebenso gut töten wie das jedes Eiferers. Ich wünschte nur, ich hätte hundert mehr Adlige, die Grund haben, Jakoven zu fürchten.«

»Ward kann den größten Teil von Shavig und Oranstein auf Eure Seite bringen«, erklärte mein Onkel mit unbegründetem Selbstvertrauen.


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